Professor

Rolf Gutbrod

Architekt

(1910 -1999)

Häuser für Menschen

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Vita Rolf Gutbrods

wie im Ausstellungsflyer zur Stuttgarter Ausstellung beschrieben:

 

1910 Geburt Rolf Gutbrods in Stuttgart. Ich halte mich für einen Glückspilz, wurde ich doch an einem Freitag, dem 13. geboren. 1917 Einschulung. 1919 nach Gründung der ersten Freien Waldorfschule und bis 1929 Schüler dieser Schule. 1929 Praktikum im Ingenieurbüro Ludwig Bauer in Stuttgart. 1929-1935 Architekturstudium in Berlin (ein Semester) und in Stuttgart. An der "ersten" Stuttgarter Schule waren insbesondere Bonatz, Schmitthenner, Fiechter, Wetzel, Keuerleber. Fachlich und menschlich war das für mich eine reiche Zeit. Die vorgeschriebene Zwischenpraxis führte mich nach Düsseldorf zu Professor G. A. Munzer, von dem das Marine-Ehrenmal in Laboe stammt. Diplom bei Bonatz. Studienreisen in die Schweiz, nach England und Holland. 1935 Mitarbeit im Büro Günter Wilhelm in Stuttgart. 1938 selbstständiger Architekt. 1937-1939 Bauleiter der Luftwaffe in Friedrichshafen. Jetzt sollte alles groß sein, mit riesigen Dächern und monumentalen Säulen. Da wollte ich nicht mitmachen. Der Bauleiter von Friedrichshafen sagte mir, die "neue" Welle gelte nur für die Unterkunftsbauten, bei technischen Bauten sei man frei. Das hat mich gelockt. Wir haben sogar ein beinahe anthroposophisches Heizhaus gebaut mit plastisch herausgearbeiteten Kohlebunkern in Beton. 1939 Bauvorstand in München. 1940 Abteilungsleiter eines Bauamtes in Brüssel, später nach Sizilien, Libyen, Rom versetzt. Dort in Libyen hatte ich meine erste Begegnung mit der arabischen Welt. 1943 Oberregierungsbaurat der Organisation Todt. 1944-1945 Chefreferent im Amt Bau der Organisation Todt, Zentrale Berlin. 1945 Kraftfahrer in Starnberg. 1946 selbstständiger Architekt in Stuttgart. 1947 Lehrbeauftragter für Entwerfen an der TH Stuttgart. Es war der alte Kampf zwischen Tradition und Moderne. Wir kämpften darum, dass es nicht nur "Wiederaufbau" , sondern auch "Neuaufbau" werden sollte, aber die Gegensätze waren stark. 1953 Ernennung zum a. o. Professor für Innenraumgestaltung und Entwerfen an der Fakultät für Bauwesen der TH Stuttgart. Der "zweiten" Stuttgarter Schule gehörten u.a. Döcker, Hanson, Gutbier, Wilhelm, Debus, Siegel, Linde an. Ich habe mich in dieser Gemeinschaft, die sehr liberal war, sehr wohl gefühlt. Gerade der "rationale" Döcker hat uns für den "organischen" Häring begeistert. Er hat uns Scharoun nahe gebracht. 1957-1959 Gastprofessor (in den Sommersemestern) an der Technischen Universität Istanbul. 1959 haben wir außerhalb von Stuttgart drei Wettbewerbe gewonnen: die Deutsche Botschaft in Wien, das IBM-Haus in Berlin und die Universität in Köln. 1961 Ernennung zum o. Professor und Wahl zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 1963 Walker-Ames-Professor an der Universität Washington DC, Seattle. Was wollte ich..., was sollte ich...? Ich hatte keine "Schüler", wollte auch keine haben. Im Gegensatz etwa zu Eiermann, der alle die, die bei ihm studiert haben, stark prägte. Er wusste auch, wie Architektur aussehen sollte. Ich wusste es eigentlich nicht und wollte mir das Endziel freihalten... Nicht das Fertige, sondern der Weg dahin war und ist mir wichtig. Nicht meinen Weg anzupreisen, sondern dem Jüngeren helfen, seinen Weg zu finden. Ich hatte keine Formvorstellungen. 1966 nach weiteren sieben Jahren, kam der nächste Schritt, diesmal über Europa hinaus: einmal der Deutsche Pavillon für die Expo 1967 in Montreal (wir mit Frei Otto) und Mekka (Frei Otto mit uns): Ein neuer Kulturkreis, bei dem wir das Glück hatten, dass die Arbeit in Saudi-Arabien damals noch nicht von Spekulanten, von den Geschäftemachern versaut war, dass wir in König Feisal einen Bauherrn hatten, der sich begeistern ließ für eine dem Arabischen abgelauschte Lösung. Meine Methode ist nicht die, mit einer festen Formvorstellung an die Probleme heranzugehen, sondern sich das Programm zu Herzen zu nehmen, Möglichkeiten zu untersuchen, wo Abweichungen denkbar, Alternativen möglich sind; sich mit der Topographie beschäftigen im weitesten Sinn: Was ist bedeutend in der Umgebung, wie ist das Klima, wo sind andere Bauten, die man berücksichtigen muss, wie ergibt sich daraus die Materialwahl und dann erst über die Formensprache nachzudenken. Die Form immer unter dem Primat des Künstlerischen zu suchen. Mir ist immer wieder bei der Beurteilung unserer Bauten vorgeworfen worden, ich hätte keinen Charakter, sondern würde mich nach dem Bauherrn oder sonst jemandem richten; es fehle das Einheitliche. Ich nehme diesen Vorwurf gerne hin. 1966 Auguste-Perret-Preis der Union Internationale des Architectes. 1967, 1971, 1979 Paul-Bonatz-Preis. 1971 zum Mitglied des Ordens Pour le Mérite gewählt. 1985-1997 2. Vizekanzler des Ordens für die Künste. 1971-1984 stellvertretender Direktor der Abteilung Baukunst der Akademie der Künste. 1972 Beendigung der Lehrtätigkeit. 1978 Übergabe der Architekturbüros in Berlin und in Stuttgart an seine Mitarbeiter Henning, Kendel, Riede. 1978-1994 weiterhin in den Büros als Berater tätig. 1980 Aga-Kahn-Preis für das Hotel- und Konferenzzentrum in Mekka (mit Frei Otto). 1983 Kunstpreis Berlin. 1991 Ehrenbürger von Stuttgart. 1995 Großer DAI-Preis. Über hundert Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, viele Partner, denen ich viel verdanke, waren an unseren Projekten beteiligt. Wenn man zum Schluss nicht mehr weiß, von wem kam was, wie ist es entstanden, sage ich: Ein Engel hat mitgebaut. Wenn das gelingt, ein paar Mal hatten wir das Glück, dann kann man das Gefühl haben, etwas Geistiges verwirkliche sich und der Bau werde durchsichtig für das dahinter stehende Geistige. Rolf Gutbord verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Berlin und in Dornach. 1999 verstarb er in Arlesheim, Schweiz.


 

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